Die Siegener Oberstadt. Ein Schnäppchen für die Uni.

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Von WvS

Die Oberstadt ist tot.“, so der Konsens vieler Siegener in den letzten Jahren – Kaum ein Mensch ist mehr auf den Straßen zu sehen, die Geschäfte bemängeln zurückgehende Kundenzahlen und allgemein weht ein postapokalyptischer Wind durch die hügeligen Gassen des einstigen Zentrums des öffentlichen Lebens in Siegen.

Lange schon rätselt die Stadtverwaltung, wie man mit dem Brachland Oberstadt weiter verfahren soll; Ein Abriss wäre zu teuer, ein Versuch der Wiederbelebung gar utopisch. Im letzten November entschied die Stadt sich daher zu einer Ausschreibung, in der ein Käufer für das Gebiet gesucht wurde. Vorerst erschien der Plan nicht aufzugehen, Interessenten wie das Tierheim Siegen sprangen rasch wieder ab, nachdem sie die Substanz begutachtet hatten. Mathilde Schmidt, Sprecherin des Tierheims: „Unsere Hunde und Katzen sind einen gewissen Standard gewohnt, den die Oberstadt ihnen nicht gewährleistet. Auch Tiere haben Anspruch auf ein schönes Zuhause“

Zur Rettung kam – wenn auch zögerlich – die Universität Siegen, die sich bereiterklärte die Oberstadt aufzukaufen, sofern die Stadt Siegen ihre preislichen Vorstellungen der Realität anpassen würde. So wurde der ursprüngliche Preis von 1600€ auf einen vielmehr symbolischen Betrag von 99,95€ gesenkt, Robert Achenbach von der Kreisverwaltung hierzu in einem Interview: „Man konnte sich einigen, das ist das Wichtigste. Unsere Preisvorstellungen waren schlichtweg unrealistisch, dies hätte man früher realisieren müssen.

Pläne für das neue Grundstück gibt es bereits, so wird z.B. die Nikolaikirche zur Mensa umgebaut, das Obere Schloss dient von nun an als Atelier für das Department Kunst. Großer Vorteil für die Universität: Viele Studierende leben bereits in der Oberstadt, sodass private Wohnräume als Hörsäle genutzt werden können.

Mit der Entscheidung zum Verkauf der Oberstadt wagt Siegen einen weiteren großen Schritt in Richtung einer modernen Großstadt, das Abstoßen weiterer Altlasten wie Geisweid und des Fischbacher Berges sollen in den nächsten Monaten folgen.

Titelbild (original): Bob Ionescu