“Fridays for Future”: Armin Laschet erklärt glaubwürdige Politik

Armin Laschet findet die “Fridays for Future”-Demonstrationen nicht glaubwürdig genug, da sie am Freitag während der Schulzeit stattfinden. “Die Demonstrationen in den 1980er Jahren für Weltfrieden und gegen die Atomenergie, „die fanden am Wochenende statt, nicht in der Schulzeit“, sagte er am Dienstag im Gespräch mit WDR5.

Armin Laschet. Das ist nicht nur der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sondern auch einer der glaubwürdigsten Politiker Deutschlands was den Klimaschutz betrifft. Was wäre beispielsweise der Hambacher Forst ohne ihn? Wie kommen diese jungen Leute überhaupt darauf, sich Sorgen um die Zukunft zu machen? Für diese fantastische Landesregierung, die Klimaschutz am liebsten ganz dem Markt überließe, ein astreines und fast gar nicht verfassungswidriges Polizeigesetz auf den Weg bringen wollte und versuchte, das Sozialticket abzuschaffen, das 300.000 Menschen ermöglicht, den (immer hervorragend funktionierenden, wir in Siegen wissen, wovon wir reden) ÖPNV zu ermäßigten Preisen zu nutzen, müsste diese Generation schließlich niederknien und dankbar sein.

Es scheint, als glaube selbst die FDP in dieser Sache an den starken Staat. Schulministerin Yvonne Gebauer verschickte heute Dienstanweisungen an alle Schulen und verwies auf Ordnungsmaßnahmen gegen demonstrierende Schüler.

Gerade einer Liberalen müsste die Lösung des Problems aber doch eigentlich einleuchten. Die Nachfrage nach Klimaschutz und allgemein verantwortungsbewussterer Politik scheint recht hoch zu sein. Warum verhält sich die Landesregierung nicht wie ein guter Geschäftsmann und erhöht das Angebot ein wenig? Das Angebot an Schrott, nach dem niemand gefragt hat, könnte nämlich ruhig kleiner sein. Wäre Armin Laschet Filialleiter eines Supermarkts, gäbe es wahrscheinlich keine Nudeln, Kartoffeln oder Butter, sondern dafür nur geschälte, in Plastik eingeschweißte Bananen.

Also was fällt diesen Schülern ein? Die können doch nicht ernsthaft erwarten, Aufmerksamkeit für ihr Anliegen zu bekommen? Natürlich wäre es schön für Laschet und seine Regierung, wenn die Demos brav am Samstag abgehalten würden. Lehrer und Eltern würden sich nicht beschweren, als Politiker könnte man das Problem geflissentlich ignorieren und die Kinder würden zur Schule gehen.

In die Schule, in denen ihnen tagein tagaus vorgeworfen wird, wie lustlos und wenig engagiert sie seien. Generation Null-Bock eben.

Ob Herr Laschet die Proteste ernstnähme, wenn sie am Wochenende stattfänden, verriet er übrigens nicht.

Vielleicht ist ein Schule schwänzender Kiffer auf einer Klima-Demo auch gar nicht mal so schlecht. Was wäre zum Beispiel, wenn dieser plötzlich anfinge, sich für Politik zu interessieren? Herr Laschet kann das nicht wollen, das ist mir klar. Aber mir persönlich ist das lieber als eine Landesregierung, die aus Angst, ein paar Wählerstimmen zu verlieren, sehenden Auges den Rechtsstaat demoliert und durch Lobbypolitik die Zukunft aufs Spiel setzt. Vielleicht sollten Herr Laschet, Herr Reul etc. sich auch mal freitags frei nehmen. In der Zeit können sie dann wenigstens keinen Unsinn anstellen.